Reisevorbereitung für Weitweg

All das, was mich vor dem Umzug ins Ausland so beschäftigt

(English version below)

Auf nach China! Am liebsten jetzt, gleich und sofort! Meine Koffer sind noch von Mexiko gepackt, eigentlich könnte ich gleich weiterfliegen! Vielleicht noch eine kurze Zwischenlandung für Omas 80. Geburtstag und dann weiter! Halt, die lila Schokolade und der Pumpernickel müssen noch mit. So, und nun auf zum nächsten Check-In!

Aber… Stopp!

So schnell, wie ich mir das alles vorstelle, geht es dann doch nicht.

Beim Vorstellungsgespräch via Skype wurde ich schon dezent vorgewarnt, dass das chinesische Visum eine wirkliche Geduldsprobe sei. Und es soll sich bewahrheiten. Insgesamt 6 Wochen heißt es für mich von Amt zu Amt rennen, Briefe schreiben, den DHL-Mann je nachdem herbei- oder verwünschen und dann… abwarten. (siehe: Arbeitsvisum China)

Um ehrlich zu sein bin ich kein großer Fan des Wartens und noch weniger, wenn ich den Lauf der Dinge augenscheinlich nicht beeinflussen kann. In den Wochen, in denen ich auf das Visum warte, gelange ich oft an die Grenzen meiner Geduld. So schön wie bei Jack Johnson klingt sitting, waiting, wishing in meiner Realität nicht.

Dabei fällt es mir auch sehr schwer, nicht den schönen Dingen in Mexiko nachzutrauern (die Sonne, die Farben, der Salsakurs) oder zu sehr die Zukunft in China zu verplanen (Arbeitsprojekte, Wochenendtrips, Kochabende). Immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass ich weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft lebe. Sondern im Hier und Jetzt. Meine Familie und Freunde unterstützen mich hierbei sehr und irgendwann fange ich an, diese kleine Zwischenpause in Deutschland zu akzeptieren und sogar ein bisschen zu genießen. Ich lese Erfahrungsberichte über China, sehe mir historische Dokumentationen an und esse mit chinesischen Freunden gebratene Dumplings und Peking-Ente süß-sauer.

Mhmm Dumplings!

Und so finde ich auch die Zeit und vor allem die Ruhe, mir Gedanken über ein paar organisatorische Dinge zu machen.

Wenn einer eine Reise tut…

Schon 2017 stellte ich mir ein paar organisatorische Fragen zum Leben im Ausland. Behalte ich meinen deutschen Wohnsitz, muss ich mich bei der Gemeinde abmelden? Soll ich eine Auslandskrankenversicherung abschließen? Was passiert mit meiner deutschen Krankenversicherung?

Heute habe ich ein paar Antworten auf diese Fragen gefunden.

Deutscher Wohnsitz:

Als ich 2017 nach Mexiko ging, meldete ich mich auf die Adresse meiner Eltern um. Ich hatte Hemmungen, mich ganz aus Deutschland abzumelden, irgendwie gab mir der Wohnsitz zumindest innerlich Sicherheit. Bei meinen deutschen Kollegen in Mexiko war es ähnlich, die meisten waren noch in Deutschland gemeldet. Nachteile haben sich für mich dadurch keine gezeigt, einzig und allein das Finanzamt wollte die jährliche Steuererklärung. Da es zwischen Mexiko und Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt, reicht die Anlage N-Aus sowie eine offizielle Bestätigung durch das mexikanische Finanzamt darüber, dass ich in Mexiko Steuern abgeführt hatte. Meldet man den Wohnsitz ab, fällt dieser Punkt schätzungsweise weg.

Für mich war der deutsche Wohnsitz aber vor allem für meine Auslandskrankenversicherung relevant.

Auslandskrankenversicherung:

Mein mexikanischer Vertrag versprach mir damals eine Krankenversicherung über einen staatlichen Versicherer. Unerfahren wie ich war, machte ich mir deshalb keine weiteren Gedanken über etwaige gesundheitliche Probleme in Mexiko. Die Schelte kam einen Monat nach Ankunft. Seitens des Arbeitgebers zog sich der Vertragsabschluss sechs Wochen länger als gedacht hin und wie auf Bestellung wurde ich krank. Ich hatte alles: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall… nur eben keine Krankenversicherung.

Dies sollte mir eine Lehre sein, denn auch nach Vertragsabschluss waren die Konditionen der mexikanischen Krankenversicherung so arg und die öffentlichen Krankenhäuser so unterbesetzt, dass ich mich doch schnellstens nach einem privaten Träger umsah.

Krank im Ausland – in jeder Hinsicht ist eine gute Versicherung wichtig

Nachdem ich schon einige Angebote erhalten und viel im Internet recherchiert hatte, legte mir eine Kollegin eines Abends ihre deutsche Auslandskrankenversicherung wärmstens ans Herz: die Young-Travellers-Versicherung.

Unter all den Reise- und Expat-Krankenversicherungen hat mich die Young-Travellers-Reiseversicherung sofort überzeugt, deswegen möchte ich hier ein bisschen genauer darauf eingehen. Nach dem Motto „Je jünger, desto preiswerter“ zahle ich mit 28 Jahren nur 420 Euro für eine Jahresversicherung (bis 25 Jahre sogar nur 360 Euro). Als Reisender und bei Auslandsaufenthalten bis zu zwei Jahre können sich hier alle bis 55 Jahre versichern lassen. Dabei sind auch Reisen in die USA und Kanada mitversichert, wenn diese nicht länger als 50% der gesamten Reisezeit dauern (bei den meisten anderen Versicherungen gibt es für USA&Kanada einen hohen Aufschlag). Ebenso ist ein achtwöchiger Heimaturlaub pro Jahr mitversichert.

Tritt ein Schadensfall ein, kann ich meine Rechnungen einfach per Internet oder App hochladen und bekomme den Betrag gleich zurückerstattet,
sogar für Zahnbehandlungen und im Fall einer Schwangerschaft, komplett ohne Selbstbehalt und mit unbegrenzter Versicherungssumme. Und falls mein Auslandsaufenthalt früher endet, bekomme ich die zu viel gezahlte Prämie umgehend zurück. Versicherungsträger ist Deutschlands größter Reiseversicherer, die Europäische Reiseversicherung.

Ausschlaggebend für mich war aber nicht nur das Leistungsangebot, sondern auch die Betreuung. Uwe Dittner betreibt das Portal young-travellers, das neben der Reisekrankenversicherung auch noch andere nützliche Leistungen für Globetrotter anbietet. Während und nach meiner Versicherungszeit antwortete er mir ohne Ausnahme innerhalb 24 Stunden und half mir immer kompetent weiter. Ich fühle mich bei young-travellers sehr gut aufgehoben, was im eventuellen Krankheitsfall die beste Voraussetzung ist. Deshalb kann ich die Reiseversicherung empfehlen, ob für kurze oder längere Auslandsaufenthalte. Aber aufgepasst: Versichern kann man sich nur vor Reiseantritt.

Deshalb heißt es dieses Mal für mich: Rechtzeitig die Police ausfüllen, abschicken und schon bin ich gesundheitlich für meinen Auslandsaufenthalt in China bestens abgesichert.

Deutsche Krankenversicherung:

Kurz vor meinem Abflug 2017 entschied ich, mich bei der deutschen Krankenversicherung abzumelden. Das ging ganz problemlos mit einer schriftlichen Erklärung und dem Flugticket als Bestätigung. Ebenso einfach war das Wiedereintreten nach meiner Rückkehr aus Mexiko. Sobald ich 2019 zurück in Deutschland war, habe ich einen neuen Antrag bei meiner alten Krankenkasse gestellt und wurde umgehend wieder aufgenommen. Das war zwar einiges an Papierkram, mir aber immer noch lieber, als doppelt Krankenversicherung zu zahlen.

Arbeitsvisum China:

Für alle, die im Ausland arbeiten möchten, wird früher oder später das Thema Arbeitsvisum relevant. Die Formalitäten sind von Land zu Land unterschiedlich. Für Mexiko waren nur ein Besuch beim Konsulat in Frankfurt sowie einige Dokumente meines Arbeitgebers für das Visum nötig.

In China sieht die ganze Geschichte etwas anders aus. Für die Vergabe eines Z-Visums für Sprachlehrer benötige ich eine Arbeitserlaubnis von China. Dafür will der Arbeitgeber von mir folgende Dokumente aus Deutschland:

  • Apostille des überbeglaubigten, höchsten Universitätsabschlusses und des Führungszeugnisses, beides beim Bundesjustizamt in Köln zu beantragen
  • Beide Apostillen müssen im Anschluss bei einer chinesischen Botschaft oder einem Konsulat legalisiert werden
  • Eine ärztliche Untersuchung mit EKG, Thorax-Röntgenbild und Bluttest
  • Arbeitszeugnisse, die eine zweijährige Berufsausübung als Deutschlehrerin bescheinigen

Mit diesen Dokumenten und einer Passkopie beantragt der chinesische Arbeitgeber eine Arbeitserlaubnis und schickt diese sowie ein persönliches Einladungsschreiben (Invitation Letter) per DHL im Original von China nach Deutschland. Damit kann man sich in einem Visa-Center vor Ort das Visum noch am gleichen Tag ausstellen lassen.

Unvorstellbare Freude, als der DHL-Brief mit der chinesischen Arbeitserlaubnis in Deutschland eintrifft.

Die Dauer des gesamten Prozesses sollte sich auf 4-6 Wochen beschränken, je nach Bearbeitungszeit der jeweiligen deutschen und chinesischen Ämter.

Was lange währt …

Nach all der Organisation, dem Warten, dem Teetrinken und dem sich in Geduld-Üben kommt dann irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Koffer ein letztes Mal gewogen werden und die fünfte Haribo-Tüte noch zwischen ein paar Hosen ihren Platz im Gepäck findet.

Am 1. März heißt es für mich nun wirklich: Auf nach China!

Zugegebenermaßen ist das nicht einmal ein Viertel meines tatsächlichen Gepäcks

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Preparation for Faraway

The days before going abroad

Let’s go to China! The sooner the better, let’s go right now! My bags are still packed, I should just take the next flight from Mexiko to China. Maybe a short layover for my Grandmothers 80th anniversary and then off I go. Making the last adjustments, packing chocolate and Pumpernickel into my luggage and here comes the next check-in!

But … stop!

It is all by far not happening like I was imagining it.

At my job interview I was already told to be rather patient with the Chinese working visa. And so very soon my patience is tested harshly. Three weeks I am running around public offices, sending letters, waiting for the mailman and looking for documents I didn’t know even existed. And finally, when I think, everything is accomplished and I am good to go, I have to wait again. The last official document from China needs to be send by DHL-express to Germany. But: It’s Chinese New Year and every office in China is closed. So again for almost another 3 weeks I am sitting, waiting, wishing.

To be honest I am not very keen on waiting. Even less when I am obviously not able to influence the course of events. In these weeks of waiting for the visa I am confronting my own limits of patience more than once.

Meanwhile it is also quite hard for me not to mourn about the nice things I experienced in Mexico (the sun, the colors, my salsa course) or to plan my near future in China (work projects, weekend trips, cooking nights). Again and again I have to remind myself neither to live in the past nor in the future. But rather here and now. My family and friends are supporting me with their company and their homes and eventually I start to accept my break between two jobs. Sometimes I might even enjoy it a little. I read about experience reports of China, I watch historical documentaries and I meet with Chinese friends to eat fried dumplings and Peking duck.

Yummy dumplings!

Finally I find some time and peace to arrange some organizational stuff like social security abroad, income tax receipts and place of residence (to be read in detail in the German version- as it differs from country to country I didn’t translate this part).

Good things come to those who wait

After six weeks of waiting, organizing, drinking tee and testing my patience there comes the time when everything falls in place. The DHL-delivery man rings on the door handing me over the so badly-needed documents and the next day I receive the temporary working visa to travel to China.

Long-desired mail from China


My already for wanderlust longing suitcases are checked one last time, a fifth bag of gummy bears finds its place between some socks (freshly washed, of course) and I am good to go.

Mark the date: 1st of march I am leaving for China!

Okay… this is only one fourth of my actual luggage 😉

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